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Dienstag, 18. November 2014

Gruppe "Kinder des Widerstandes" trafen sich in der antifaschistischen Begegnungsstätte "Haus Heideruh"



Klara Tuchscherer. Tochter der Düsseldorfer Widerstandskämpfer Klara und Karl Schabrod, hat sich vor einiger Zeit gemeinsam mit drei weiteren Töchtern antifaschistischer Widerstandskämpfer mit dem Appell „Hinterbliebene von NS-Opfern fordern ihr Recht“ an die Öffentlichkeit gewandt. Die Bundeskonferenz der VVN-BdA 2011 griff diesen Appell auf und beschloß, Treffen der Angehörigen der 2. und 3. Generation der Opfer von NS-Verfolgung zu veranstalten. 

In den Landesverbänden der VVN-BdA wurde diese Anregung unterschiedlich aufgenommen. In Sachsen und Berlin sowie Hamburg trafen sich die ca. 50- bis 75-jährigen Antifaschistinnen und Antifaschisten, von denen zwar manche als Kind Krieg und Verfolgung der Eltern noch miterlebt haben, aber vor allem in der Nachkriegszeit erlebten, was es heißt Kind eines oder einer Verfolgten zu sein. In Nordrhein-Westfalen entstand sogar eine Gruppe, die sich regelmäßig in Wuppertal im Landesbüro der VVN-BdA trifft und sich den Namen „Kinder des Widerstandes“ gab. 

Rund 30 „Kinder“ haben sich der Gruppe angeschlossen. Bundesweit stimmten ca. hundert Antifaschisten der Erklärung von Alice Czyborra, Klara Tuchscherer (Schabrod), Traute Sander (Burmester) und Inge Trambowsky (Kutz) zu. 

Am 10. bis 12. Oktober traf sich diese Gruppe mit Angehörigen der 2. und 3. Generation aus der gesamten Republik im Haus Heideruh in Buchholz/Niedersachsen. Während die „Kinder des Widerstandes“ aus bürgerlichen Elternhäusern in Medien durchaus Beachtung fanden, so in Filmen über den 20. Juli, war dies anders, wenn die Kinder aus dem Arbeitermilieu kamen – noch dazu aus linken und kommunistischen Familien. Traute Sander: „Die um 1930 Geborenen litten unter den Maßnahmen, die gegen ihre Eltern ergriffen wurden. Viele kamen in NS-Familien zur ‚Umerziehung’ oder wurden in den Schulen und in Heimen diskriminiert.“

Alice Czyborra, Tochter von Ettie und Peter Gingold. sagt: „Ich selber konnte nur überleben, weil mich in Frankreich mutige Menschen als jüdisches Kind versteckten, während meine Eltern sich der Résistance anschlossen.“  Ihre Schwester Silvia, ergänzt: „Nach dem Krieg wurde unserer Familie als ehemalige Emigranten viele Jahre die deutsche Staatsbürgerschaft verwehrt. Mit dem Kalten Krieg waren unsere Familien ja erneut von Verfolgung betroffen. Ich wurde mit Berufsverbot belegt und noch vor wenigen Wochen wurde bekannt, daß der hessische Verfassungsschutz ein Dossier über mich angelegt und teilweise in hetzerischer Form gegen mich veröffentlicht hat.“ 

In vielen europäischen Ländern gibt es Organisationen der „Kinder des Holocaust“. Bei uns gab es so was bisher noch nicht. Christa Bröcher aus Duisburg sagt: „Das wollen wir ändern. Zum Beispiel wollen wir erreichen, daß dem Arbeiterwiderstand und jenen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern sowie NS-Opfern, die auch nach 1945 wieder verfolgt wurden, mindesten eine Gedenkstätte gewidmet wird. Und daß sie in den Medien überhaupt vorkommen.“

Peter Dürrbeck, der in den sechziger Jahren eingesperrt wurde, weil er gegen die Inhaftierung seiner Mutter Hertha Dürrbeck, eine Widerstandskämpferin aus Niedersachsen, öffentlich protestierte, stellte fest: „Man kann sagen, daß wir Opfer des Kalten Krieges sind. Man muß sich mal die Situation in jener Zeit vorstellen, in der viele von uns Kinder und Jugendliche waren. In der Bundesrepublik konnten Eliten der Nazizeit aus Wirtschaft, Militär und dem Staats- und Terrorapparat des Naziregimes, darunter Justiz, Gesundheitswesen, Polizei und Geheimdienste wieder tätig werden, Einfluß nehmen und dabei weiterhin gegen Antifaschisten vorgehen. Sie bekamen hohe Pensionen, während unseren Eltern oft die Entschädigung entzogen wurde. Das ist nie aufgeklärt worden.“ Peter Dürrbeck ist Aktivist der Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges, die mit den „Kindern
des Widerstandes“ eng zusammenarbeitet. Er weist darauf hin, daß Organisationsverbote zur Bestrafung der Widerstandskämpferinnen und –kämpfer führten, während Naziorganisationen wie die NPD sich ungehindert entfalten konnten. Berufsverbote wurden gegen die Kinder von Antifaschisten ausgesprochen. „Und unser Versammlungsrecht wurde eingeschränkt.“

Ulli Sander (Auszüge aus einem Artikel der UZ)

Mittwoch, 11. Juni 2014

Antikommunistische Kontinuität - Petition zur Aufhebung des KPD-Verbots im Bundestag zurückgewiesen



von Hans Daniel in Tageszeitung junge Welt 11.06.2014

Eine Lektion in Staatsbürgerkunde wurden Peter Dürrbeck, Mitglied im Sprecherkreis der Initiative für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges (IROKK), und dem Vorsitzenden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), Heinrich Fink, am Vorabend des 65. Jahrestages der Verkündung des Grundgesetzes zuteil. 

Sie überreichten am 19. Mai der Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Bundestages, Kersten Steinke (Die Linke), eine Petition mit dem Titel: »Das KPD-Verbotsurteil und die Demokratie sind unvereinbar«. 3000 Unterstützer hatten das Anliegen unterschrieben.
Der 18. Deutsche Bundestag wird darin aufgefordert, Schritte einzuleiten, um das KPD-Verbotsurteil vom 17. August 1956 aufzuheben, »weil es als Begründung für ungerechtfertigte politische Verfolgungen und Diskriminierungen diente und bis heute nachwirkt«. Nach dem Ende des Kalten Kriegs und fast ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR sei es an der Zeit und längst überfällig. Steinke sagte zu, das Anliegen im Ausschuß zur Behandlung vorzulegen.

Die KPD hatte im Widerstand gegen den deutschen Faschismus große Opfer gebracht und wurde einmal mehr auf dem Höhepunkt des Antikommunismus nach 1945 verboten. Ihre Mitglieder wurden durch eine erneut installierte politische Sondergerichtsbarkeit verfolgt und verurteilt. In Folge des Verbots sind etwa 250000 Ermittlungsverfahren eingeleitet und rund 10000 Verurteilungen zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen wegen des Verstoßes gegen das Verbot verhängt worden.

Die dem Petitionsausschuß übergebene IROKK-Erklärung verweist auf die neue Publikation »Staatsschutz in Westdeutschland – Von der Entnazifizierung bis zur Extremistenabwehr« des Historikers Dominik Rigoll. Der Autor nennt das Verbotsurteil ein »Relikt des Kalten Krieges«, geschuldet vor allem dem Einfluß von Nazis in staatlichen Stellen. Sie konnten mit dem Urteil ihre Verfolgung von Antifaschisten aus der Zeit vor 1945 fortsetzen. In dieser Kontinuität sah der langjährige Vorsitzende der VVN-BdA die Verpflichtung seines Verbandes, die Petition zu unterstützen. 
Er verwies darauf, daß nicht wenige der wegen des Verstoßes gegen das KPD Verbot Verurteilten Mitglieder der VVN waren. Sie waren in den Jahren der faschistischen Herrschaft jahrelang in Zuchthäusern und Konzentrationslager inhaftiert. Exemplarisch nennt Fink den langjährigen nordrhein-westfälischen KPD-Landtagsabgeordneten Karl Schabrod. Von den 147 Monaten und acht Tagen, die das »Dritte Reich« gedauert hat, war der Antifaschist 143 Monate eingekerkert – überwiegend im Zuchthaus. Nach dem Verbot der KPD 1956 wurde er zweimal zu insgesamt 29 Monaten Haft verurteilt, weil er als unabhängiger Kandidat zu Land- und Bundestagswahlen antrat. Der Vorwurf lautet auf »Staatsgefährdung« und »Rädelsführerschaft« in einer verbotenen Organisation. Neben einer Gefängnisstrafe wurde ihm sein Status als Verfolgter des Faschismus aberkannt, und er erhielt Berufsverbot als Journalist. 

Am 23. Mai feierte der Bundestag die »bisher beste Verfassung in der deutschen Geschichte«. Einen Tag zuvor und nur drei Tage nach Einreichen war die Antwort auf die Petition bereits zurückgeschickt. Darin wird mitgeteilt: Die beantragte Überprüfung des Urteil sei »dem Bundestag wegen Dreiteilung der Staatsgewalt und der Unabhängigkeit der Richter nicht möglich«. Weiter heißt es in dem Schreiben, daß die Eingabe damit »abschließend beantwortet« sei.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Petition am 19.05.2014 offiziell übergeben : KPD- Verbotsurteil von 1956 aufheben.


Am 19. 05. 2014 übergaben Prof. Heinrich Fink, Vorsitzender der VVN-BdA und Peter Dürrbeck, Mitglied im Sprecherkreis der Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des kalten Krieges (IROKK) über 3000 Unterschriften an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.
Die Vorsitzende des Ausschuss Kerstin Steinke (Partei die Linke) empfing Heinrich Fink und Peter Dürrbeck im Bundestagsgebäude. Prof. Heinrich Fink und Peter Dürrbeck erläuterten die Erklärung des Sprecherkreises der IROKK vom Januar 2014 mit dem Titel: Das KPD- Verbotsurteil und die Demokratie sind unvereinbar.
Heinrich Fink betonte, dass der Bundesausschuss der VVN- BdA sich dieser Erklärung anschliesst und die Forderungen unterstützt.
Frau Kerstin Steinke war die Problematik bekannt und sie versprach das Anliegen im Ausschuss vorzutragen und dafür zu plädieren, dass eine Debatte dazu im Parlament stattfindet.

In der Erklärung der IROKK heisst es unter anderem:
„Mehr als 40 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und fast ein viertel Jahrhundert nach dem Ende der DDR ist es höchste Zeit, 'das unsägliche Urteil aus dem Jahr 1956 aufzuheben'.
Neue Untersuchungen, darunter das Buch von Dominik Rigoll 'Staatsschutz in Westdeutschland' weisen nach, dass das KPD- Urteil ein Relikt des Kalten Krieges ist und vor allem dem Einfluss von NS-Persönlichkeiten in staatlichen Stellen geschuldet ist, die mit dem Urteil ihre Verfolgungen von Antifaschistinnen und Antifaschisten aus der Zeit vor 1945 fortsetzen konnten“
In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass mit der sog. Extremismusklausel antifaschistische und demokratische Initiativen, besonders aus der Jugend, drangsaliert werden, z.B. wenn sie öffentliche Gelder beantragen.
Verwiesen wird auch auf die Berufsverbote, die tausenden jungen Menschen die Perspektiven raubten. Die Opfer dieser Praxis sind ebenfalls nicht rehabilitiert worden.

Peter Dürrbeck verwies im weiteren Gespräch auf die Entschließungen des niedersächsischen Landtages und einen Empfang für die Opfer des Kalten Krieges aus Niedersachsen durch den ehemaligen Landtagspräsidenten Prof. Wernstedt, Justizminister Prof. Dr. Pfeiffer und den Wissenschaftsminister Thomas Oppermann, sowie weiterer Landtagsabgeortneten. Er übergab Kerstin Steinke als Hintergrundmaterial die Rede Prof. Pfeiffers bei dem Empfang und weiteres Material in diesem Zusammenhang.

21.Mai 2014

Für die Initiativgruppe

Peter Dürrbeck  

Freitag, 31. Januar 2014

Wir trauern um unsere Genossin Rosemarie Stiffel


Wir trauern um unsere Genossin Rosemarie Stiffel,
Mitglied des Bezirksvorstandes Ruhr-Westfalen.

Rosie, wie wir sie nannten, starb nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.
Sie war ihr ganzes Leben lang eine politisch denkende und konsequent handelnde Genossin. Schon als junges Mädchen engagierte sie sich, wurde aktiv und gründete mit anderen jungen Menschen die FDJ in Gelsenkirchen. Bereits mit 17 Jahren wurde sie Mitglied der KPD.
Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie in der Landesleitung der KPD in Düsseldorf als Sekretärin. Auch das Verbot der FDJ und später der KPD konnten sie nicht vom politischen Kampf abhalten. Ihr Einsatz in der Bewegung gegen die Remilitarisierung der BRD wurde von der Adenauer-Justiz verfolgt. Sie wurde zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt.
Rosie ließ sich nicht einschüchtern. Sie blieb Marxistin und setzte sich weiter unermüdlich ein für Frieden, Demokratie und Sozialismus.
Mit ihrem Ehemann und Genossen Karl Stiffel kämpfte  sie fast 60 Jahre gemeinsam durch alle Wirren der Zeit für ihre Ideale.
Für die Familie Stiffel war es selbstverständlich, bis ins hohe Alter, an allen Ostermärschen Ruhr und vielen anderen Friedensaktivitäten teilzunehmen.
Rosie gehörte zu der mutigen Gruppe Kommunisten, die 1968 die DKP konstituierten. Sie erhielt immer wieder das Vertrauen ihrer Genossinnen und Genossen als Kreisvorsitzende von Moers und später von Wesel. Ihr besonderes Anliegen war es, die Interessen von Frauen zu vertreten. Als Vorsitzende eines Bergarbeiterkreises wurde sie Mitglied des Parteivorstandes, dem sie 20 Jahre angehörte. Sie war eine anerkannte Persönlichkeit in vielen Bündnissen, aber auch in ihrer Gewerkschaft IGM. Bis zuletzt gehörte sie dort dem Seniorenausschuss an.
Der Zusammenbruch der sozialistischen Staaten schmerzte sie sehr, dennoch ließ sie sich nicht entmutigen.
Sie stellte weiterhin ihre ganze Kraft dem Kreis Wesel und dem Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen zur Verfügung. 15 Jahre war sie stellvertretene Bezirksvorsitzende, Mitglied im Arbeitskreis Wirtschaft & Sozialpolitik und Leiterin des Arbeitskreises Seniorenpolitik im Bezirk.  Rosie machte sich vor keiner Arbeit bange, Sie war die Seele unserer Organisationspolitik im Bezirk. Im Hause der Partei war sie dafür bekannt, interessierten Menschen unsere Politik beharrlich und geduldig zu erklären.
Solidarität war ihr Markenzeichen. So warb sie für die DKP-Projekte auf Cuba. Engagiert unterstützte sie 2006/2007 den Kampf der 3300 BenQ-Siemenskollegen gegen die Schließung ihres Werkes in Kamp-Lintfort.
Ein großes Anliegen war es für sie, sich einzusetzen gegen die Verfolgung von Erich Honecker, Heinz Kessler, Mischa Wolf und vielen anderen. Leider konnte sie ihren sehnlichsten Wunsch nicht mehr verwirklichen am Liebknecht-Luxemburg Treffen in Berlin  teilzunehmen und auch das UZ Pressefest vorzubereiten.

Rosie wird uns fehlen. Wir werden sie als eine aussergewöhnliche Genossin  in guter Erinnerung behalten. Wir wünschen ihrem Sohn Götz viel Kraft für die kommende Zeit.

Wir verabschieden uns von Rosie mit dem Bergmannsgruß
„Glückauf zur letzten Fahrt“

DKP Kreis Wesel
Bezirk Ruhr-Westfalen
Parteivorstand der DKP
IROKK ( Initiative zur Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges)
SDAJ Ruhr-Westfalen

Im Sinne von Rosie bitten wir statt Blumen und Kränze um eine Spende für den Kommunalwahlkampf der DKP Ruhr-Westfalen.
Sparkasse Essen Stichwort „ Rosie Stiffel- Kommunal 2014“ BLZ 36050105 Kto. 5011317

Die Trauerfeier für Rosie findet am Samstag, d. 8. Februar um 11 Uhr auf dem Friedhof Kapellen, Friedhofstraße
in 47447 Moers-Kapellen statt

Montag, 23. Dezember 2013

Das KPD-Verbotsurteil und die Demokratie sind unvereinbar!

 
 
 
 
Petition an den 18. Deutschen Bundestag
 
Die Initiativgruppe für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges (IROK), Sitz Essen, stellte bereits vor der Bundestagswahl eine Erklärung "KPD-Verbotsurteil von 1956 aufheben" vor.
 
Die Initiatoren, darunter Prof. Erich Buchholz, Berlin; Sevim Dagdelen MdB "Die Linke", Duisburg; Gerd Deumlich, Essen; Prof. Georg Fülberth, Marburg; Prof. Nina Hager, stellv. DKP-Vorsitzende, Berlin, und Ulrich Sander, Dortmund, wollen daran erinnern, dass eine Demokratie und die Illegalisierung von Kommunistinnen und Kommunisten nicht zusammenpassen.
 
Kein anderes Land der EU kennt ein derartiges Urteil. Auch wenn es die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) gibt, ändert dies nichts an dem zwingenden Gebot, "das unsägliche Urteil aus dem Jahr 1956 aufzuheben", mit dem Adenauer die Partei verbieten ließ, die große Beiträge im Kampf gegen den Faschismus erbrachte und unvergessene Beiträge im Ringen gegen die Wiederbewaffnung in Deutschland leistete, wofür zahlreiche ihrer Mitglieder mit Gefängnisstrafen belegt wurden.
 
Dem nun konstituieren 18. Deutsche Bundestag soll die Erklärung mit den gesammelten Unterschriften noch im Januar als Petition vorgelegt werden. Bis zum Abschluß der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 11. Januar in Berlin können noch weitere Unterschriften gesammelt werden. Danach soll dem nun konstituieren 18. Deutsche Bundestag die Erklärung mit den gesammelten Unterschriften als Petition vorgelegt werden.
 
 

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Die Kommunisten während der Spaltung Deutschlands und heute

Im folgenden Artikel wird an den gemeinsamen Appell von SED, SEW und DKP von 1983 erinnert. Mit Blick auf die heutige Lage schliesst der Artikel: “Als Parteien, die sich zum Marxismus-Leninismus und zur kommunistischen Sache bekennen, gibt es nur noch die DKP und die KPD. Dieser Umstand … bedarf einer gründlichen Analyse und Bewertung.”
 
Vor 30 Jahren trafen sich die Kommunisten dreier deutscher Parteien, Es blieb bei der Premiere.
 
von Herbert Mies
 
Die Spaltung Deutschlands und Berlins hatte die Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD), der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und die Herausbildung derbesonderen selbständigen politischen Einheit Westberlin zur Folge. Dort entstanden die SED und die KPD, später die DKP sowie die SEW als voneinander unabhängige kommunistische Parteien.
Am 26. September 1983 wandten sich SED, DKP und SEW mit einem gemeinsamen Appell an die Parteien der Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften und Jugendverbände, an alle Menschen in Europa, die in Frieden leben wollen.
„Wir, die kommunistischen Parteien auf deutschem Boden … erheben unsere Stimme in einer Zeit, da Entscheidungen größter Tragweite bevorstehen, die das Schicksal der Völker Europas, ja der gesamten Menschheit betreffen. Die deutschen Kommunisten haben am Ende des zweiten Weltkrieges, nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus, gemeinsam mit den Sozialdemokraten, mit Christen und Nichtchristen den Schwur geleistet, alles dafür zu tun, damit niemals mehr von deutschem Boden ein Krieg ausgehen kann. In diese Verpflichtung ist das Vermächtnis von 50 Millionen Toten, der Kämpfer gegen die Hitlerbarbarei, der im Faschismus Ermordeten und der Opfer auf den Schlachtfeldern und in den Bombenkellern eingegangen.“
Dafür hätten die deutschen Kommunisten über drei Jahrzehnte gearbeitet und gekämpft: In der Deutschen Demokratischen Republik beim Aufbau der Arbeiter-und-Bauern-Macht, des ersten sozialistischen deutschen Friedensstaates; in der Bundesrepublik Deutschland im Widerstand gegen die Remilitarisierung, für Entspannung und sozialen Fortschritt; in Westberlin gegen die Frontstadtpolitik und für Beziehungen des Friedens und der Zusammenarbeit mit der DDR.
In dem Appell hieß es weiter: „Heute erklären wir: Mit der geplanten Stationierung der US-Mittelstreckenraketen wiederholt
sich die Gefahr eines neuen Krieges von deutschem Boden, vom Territorium der Bundesrepublik Deutschland aus. Europa darf nicht Euroshima werden! Noch ist es Zeit …“
Der gemeinsame Appell der drei Parteien löste in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung ein lebhaftes Echo aus. Er demonstriere „hohes Verantwortungsbewußtsein“ und widerspiegele den Geist der antifaschistischen Tradition der deutschen Kommunisten, erklärte damals James Jackson von der Führung der KP der USA. Die Warnung, daß Europa bei Stationierung der US-Raketen ein Euroshima werden könne, erinnere an die Worte Ernst Thälmanns, ein Machtantritt Hitlers bedeute Krieg.
Der antifaschistische Widerstandskämpfer Max Seydewitz, nach 1945 Ministerpräsident des Landes Sachsen, stellte zu dem Dokument fest: „In über 90 Jahren mußte ich zwei furchtbare Weltkriege erleben. Nunmehr haben die Kommunisten auf deutschem Boden den gemeinsamen Appell an die Menschheit gerichtet, in dieser schicksalsschweren Zeit alles zu tun, um das vor rund vier Jahrzehnten abgegebene Gelöbnis von Millionen Deutschen wahr zu machen. Ich wünschte, daß er tief in den Verstand und in die Herzen der Menschen dringt; daß ein jeder begreift, daß wir in dieser Stunde der Gefahr die verbrecherische Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden verhindern müssen.“
Zum ersten Mal hatten sich die drei Parteien angesichts der enormen Verschärfung der Kriegsgefahr zu einem gemeinsamen Schritt entschlossen. Eine solche Initiative hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Weder zur Einbeziehung Westberlins in das westdeutsche Währungssystem noch dann, als Westberlin de facto zu einem Land der Bundesrepublik erklärt wurde. Auch nicht zur Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalls am 13. August 1961. Damals war die SEW noch keine eigenständige
Partei. Erst nach der Unterzeichnung des Vierseitigen Abkommens über Westberlin am 3. September 1971 erlangten die Kommunisten Westberlins ihre volle organisatorische Selbständigkeit. Sie arbeiteten und kämpften fortan als SEW mit Gerhard Danelius als Vorsitzendem.
Der gemeinsame Appell war demnach ein historisches Dokument in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung der Nachkriegsjahre. Ihm gebührt ein angemessener Platz in deren Chronik.
Niemand von uns konnte indes ahnen, daß diese erste gemeinsame Aktion der drei Parteien auch deren letzte sein würde. Nach der Annexion der DDR gab es keine drei sich zum Marxismus-Leninismus bekennenden Parteien hierzulande mehr. Als einzige überdauerte die DKP. Im Gefolge der Konterrevolution lösten sich die beiden anderen Parteien auf.
Die SEW verwandelte sich zunächst in eine „Sozialistische Initiative“, um am 30. Juni 1991 ihre Tätigkeit gänzlich einzustellen. Ein Teil der Mitglieder schloß sich der im Osten entstandenen Partei des Demokratischen Sozialismus – der PDS – an.
Bei seinem ersten Besuch in der Bundesrepublik hatte der damalige Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breshnew, davon gesprochen, daß es schwer sei, „am Rhein Kommunist zu sein“. Ich bemerkte daraufhin, die Lage der Kommunisten in Westberlin wäre aus meiner Sicht noch sehr viel schwerer. Immerhin hatte es die SEW mit vier Besatzungsmächten und zwei deutschen Staaten zu tun. Sie lebte und kämpfte unter Bedingungen scharfer Interessenkonflikte auf dem Boden eines Territoriums, das als politisches Pulverfaß und „Speerspitze des Antikommunismus“ galt. Sie mußte ihre politische Tätigkeit in einer antisozialistischen Frontstadt entwickeln. Die SEW bestand nicht lange. In der kurzen Zeit ihres Wirkens aber erwarb sie sich in den zugespitzten Auseinandersetzungen um Krieg und Frieden bleibende Verdienste.
Mit dem nahezu gleichzeitigen Untergang der SED und dem Beitritt eines weitaus geringeren Teils ihrer Mitglieder zur PDS fand das zeitweilige Nebeneinanderbestehen dreier kommunistischer Parteien auf deutschem Boden – ein einmaliger Vorgang – sein Ende. Als Parteien, die sich zum Marxismus-Leninismus und zur kommunistischen Sache bekennen, gibt es nur noch die DKP und die KPD.
Dieser Umstand und das Entstehen einer völlig veränderten politischen Landschaft für Kommunisten in Deutschland, die auch weiterhin gravierenden Wandlungen unterliegen dürfte, bedarf einer gründlichen Analyse und Bewertung.

Herbert Mies war von 1973 bis 1990 Vorsitzender der DKP.

Aus RotFuchs, Oktober 2013 übernommen vom DKP-Nachrichtenportal

Donnerstag, 4. Juli 2013

Wir trauern um unseren Genossen Jupp Mallmann

Bildrechte bei: arbeiterfotografie.com

"Wir Kommunisten haben ein gemeinsames Ziel, haben die Wissenschaft von Marx, Engels und Lenin und wir haben unsere Parteigeschichte.“
                                                                                                        (Jupp Mallmann, 2011)


Unser Genosse Jupp Mallmann verstarb kurz vor seinem 88. Lebensjahr.

Jupp hat unsere Parteigeschichte mitgeschrieben. Jupp, der FDJler und der einstige Kreissekretär der KPD von Moers am Niederrhein, Jupp, der Redakteur des Deutschen Freiheitssenders DSF 904, der aktiv gegen die Wiederaufrüstung der BRD kämpfte, und der aufrechte Gewerkschafter, der unter Adenauer wegen Hochverrats vor Gericht gestellt wurde.

1943 gerät Jupp als Soldat in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Hier beginnt für ihn das Nachdenken über Krieg und seine Ursachen. Seine Schlussfolgerung: ich muss mich organisieren und politisch aktiv werden. Jupp wird im März 1947 Mitglied der FDJ und der KPD. Nach dem Verbot der FDJ wird er 1953 verhaftet. Nach 408 Tagen Einzelhaft wird Jupp gegen Auflagen entlassen.

Doch das Verfahren läuft weiter. Um weiterer Haft zu entgehen, geht er nach dem KPD-Verbot 1956 in die Illegalität. In der ihm wenige Monate zuvor zugestellten Anklageschrift des Bundesgerichtshofs wird ihm unter anderem sein Eintreten »für die Errichtung eines einheitlichen, unabhängigen, demokratischen Deutschlands, mit dem Ziel des baldigen Abschlusses eines gerechten Friedensvertrages und des Abzugs aller Besatzungstruppen« vorgeworfen.

Erst 1968, als im Zuge der neuen Ostpolitik die Konstituierung einer neuen kommunistischen Partei möglich wird, wird der Haftbefehl aufgehoben. Bis das ihm zugefügte Unrecht offiziell eingeräumt wird, sollten nochmals 24 Jahre vergehen. Erst 1992 räumt das Bundesjustizministerium ein, dass Jupp Mallman „Ungerechtigkeiten“ zugefügt wurden. Eine Rehabilitierung und Wiedergutmachung wird ihm aber wie Zehntausenden anderen politischen Häftlingen verweigert.
Die DKP betraute Jupp seit 1968 mit verantwortungsvollen Aufgaben.  Er wurde Geschäftsführer der Druckerei und Verlag GmbH Plambeck, in der u. a. die UZ herausgegeben wurde.
Nie verlor Jupp seine Bodenhaftung. Jede Woche stand er auf dem Markt in Neukirchen-Vluyn und verkaufte seine UZ. Und auch vor dem Tor der Zeche Niederberg bot er mit seinen Genossinnen und Genossen den Bergleuten die Betriebszeitung der DKP „Glückauf“ für einen Soligroschen an. Jupps Kampfesmut war nach über 60 Jahren aktiver Arbeit in der
kommunistischen Bewegung ungebrochen. Seine Solidarität gehörte  nach der Niederlage des Sozialismus auch den politisch verfolgten Staats-und Parteifunktionären der DDR.

Auch sein Wirken seit 1999 in Berlin hat viele Spuren hinterlassen und vor allem junge Genossinnen und Genossen immer wieder begeistert. "Jupp hat aufgeschrieben – Bericht eines Zeitzeugen“ heißt eine Schrift mit autobiografischen Notizen. Damit leistete Jupp Aufklärung über „juristische Schweinereien“ für die Nachwelt.

Jupp, Du bleibst in unserer Erinnerung! Wir machen weiter!

DKP Parteivorstand, Redaktion Unsere Zeit, DKP Bezirksvorstand Ruhr-Westfalen,

DKP Landesvorstand Berlin, DKP Kreis Wesel, DKP Treptow-Köpenick, IROKK